Kurzer Abriss über das Verhältnis von Staat – Geld – Bürger
oder:
Warum eine Weiterverarmung der Bevölkerung für das gute Funktionieren unserer Wirtschaft zwingend notwendig ist
woraus folgt:
Ein Nachdenken über Alternativen ist notwendig
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Vorab
Seit bald 20 Jahren packt mich immer wieder eine tiefe Verzweiflung, dass es – wie man es auch dreht und wendet – keine Chance gibt, sein Leben jenseits der Zwänge von Gelderwerb zu organisieren. Vor der Verwirklichung einer jeden Idee, eines jeden Wunsches steht immer erst das Geld. Da die Wenigsten von uns auf geerbte Geldreserven zurückgreifen können, sind wir für unseren Lebensunterhalt immerzu auf Lohnarbeit verwiesen. Lohnarbeit zwingt mensch, sich in Arbeitsabläufe einzufügen, die der Vermehrung eines Betriebsgewinns dienen, und nicht dem Nutzen für uns alle. Lohnarbeit ist in den meisten Fällen weggeworfene Lebenszeit, und doch unser einziges Überlebensmittel. Als wäre das nicht schlimm genug, werden alle übrigen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht werden, mit garantierter Armut und psychischer Verelendung bestraft. Ist unsere Gesellschaft, die dazu keinerlei Alternativen zulässt, wirklich die »beste aller Zeiten«? Warum ist es so wie es ist, und warum können wir heutzutage all unser bis heute errungenes Wissen und technischen Fortschritt nicht vernünftig miteinander teilen und füreinander einsetzen? Zwei Antworten darauf lehne ich von vorneherein ab: erstens: »Der Mensch ist von Haus aus böse und machtversessen (homo homini lupus)«, und zweitens der Ansatz, wir müssten »in unserem Innern« und »bei uns selbst« beginnen, unsere Gesellschaft zu verbessern. (Dem letzten Ansatz stimme ich nur insofern zu, als man notwendige Gedankenarbeit schon selbst leisten muss ;-)) Was bleibt dann noch? Ich plädiere dafür, sorgfältig zu untersuchen, wie und warum unsere Gesellschaft heute funktioniert, unsere Wünsche und Bedürfnisse konkret zu formulieren und dann daraus Pläne für eine neue Gesellschaft abzuleiten. Denn warum sollte ein rationales Vorgehen nur beispielsweise beim Programmieren oder Hausbau gelten aber nicht bei der Gestaltung einer lebenswerten Gemeinschaft für alle?
Ich weiss, dass es geht. Lasst uns diskutieren. Über Rückmeldungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge zu meinem nachfolgenden Text hier freue ich mich. [Kontakt]
 
Und hier mein Text zum Thema:
Kurzer Abriss über das Verhältnis von Staat – Geld – Bürger

Was ist das oberste Ziel einer Staatsregierung?
Das oberste Ziel der Staatsregierungen ist es, im internationalen Konkurrenzkampf eine möglichst gute Position zu erreichen, weil ihr Bestehen in dieser Konkurrenz die Grundlage für das Dasein des Staates bildet. Wie gut der Staat diese Konkurrenz besteht, zeigt sich am Erfolg der staatseigenen Währung (am Wechselkurs).
weiterführende Artikel:
Wie verhelfen die Regierungen ihrer Währung zu mehr Erfolg?
Die Regierung gelangt an ihr Geld über Steuern (und Herausgabe von Staatsanleihen). Ein wichtiger Teil der Steuereinnahmen stammt von florierenden Unternehmen, die viel Umsatz machen. Die Regierung bemüht sich deshalb darum, dass die Unternehmen immer möglichst gute Bedingungen in ihrem Staatsgebiet vorfinden.
•  Die Nation – ein sehr gedeihliches Wechselverhältnis von Geschäft und Gewalt
Was sind gute Bedingungen für Unternehmen?
Gute Bedingungen für Unternehmen sind welche, unter denen sich bessere Umsätze (Gewinne) machen lassen. Unternehmen haben erstmal Kosten, wenn sie etwas produzieren. Diese Kosten lassen sich in zwei Gruppen einteilen: fixe (unabwendbare) Kosten und variable Kosten. Zu den Fixkosten zählen vor allem Dinge wie Rohstoffe und Verschleissteile, sowie Miete, Strom und ähnliches. Die variablen Kosten sind die Lohnkosten für die Mitarbeiter und Angestellten eines Betriebes. Ein Betrieb kann somit seinen Gewinn nur über die Absenkung seiner Lohnkosten steigern. Sobald eine neue Technologie einen Arbeitsablauf ersetzen kann, den zuvor ein Mensch erledigt hat, wird der Unternehmer versuchen, sich des lästigen Kostenpunktes »Lohn« zu entledigen. Gelingt ihm das, kann er mit mehr Gewinn rechnen.
•  Die Mikroökonomie
Warum die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird:
durch die rasante Weiterentwicklung von arbeitsparenden Technologien und durch den globalen Vergleich, der in punkto Lohnkosten von den Firmen weltweit untereinander angestellt wird, werden in den kommenden Jahren immer weiter Tausende von Menschen ausser Lohn und Brot gesetzt werden. Weil es dem Staat aber nicht um das Wohlergehen seiner Bürger geht, sondern um die Vermehrung seiner Reichtumsquellen, wird er diese Entwicklung passiv oder gar aktiv (weitere Kürzungen von ihm lästigen Sozialleistungen) unterstützen (solange die betroffenen Menschen sich still in ihr Schicksal fügen, und solange es genügend gesunde und arbeitsfähige Menschen gibt).
•  Globalisierung – die ganze Welt als Sachzwang
Warum kürzt der Staat kontinuierlich das Arbeitslosengeld (und andere Sozialleistungen) anstelle sie zu erhöhen, wenn doch jedem klar ist, dass die Menschen zunehmend weniger Chancen haben, einen Arbeitsplatz zu finden?
Die erste Antwort ist (siehe oben), dass sich »unproduktive« Geldausgaben, also z.B. Sozialleistungen, nicht mit dem obersten Ziel einer Staatsregierung vereinbaren lassen.
In der Nachkriegszeit gab es für circa 20 Jahre relativ wenig Arbeiter (weswegen dann auch Gastarbeiter geholt wurden), deshalb waren Lohnforderungen leichter zu realisieren und oft erfolgreich. Heutzutage kommen die Unternehmen mit sehr viel weniger Arbeitern aus, und der Staat findet eine wachsende Menge von Menschen vor, die keinem Unternehmen gewinnbringend unterstellt sind (also vor allem Alte, Kranke, Arbeitslose, Behinderte), und die er finanziell als unnütze Last empfindet. Und deswegen finden sich die Regierenden auch ständig in der »Zwangslage« wieder, diesen »Ballast« an Sozialleistungen noch weiter verkleinern zu müssen.
•  Der Lohn wird von seinen »Zusatzkosten« befreit
Brauchen wir dann nicht mehr Demos, die »mehr Arbeitsplätze« fordern? Was fordern die Menschen da eigentlich?
Der Ruf nach »mehr Arbeitsplätzen« ist ideologischer Natur: nur eine Minderheit aller Menschen, die für ihren Lebensunterhalt auf die Lohnarbeit verwiesenen sind, will ernsthaft »mehr arbeiten«. Nein, was sie eigentlich meinen ist: »mehr Geld haben«, damit sie sich den Alltag nicht allzu gruselig gestalten müssen. Aber auch der Ruf nach »mehr Geld» ist nur ein ideologischer. Was wollen sie denn damit eigentlich sagen? Ist doch klar! Sie wollen im Grunde gar kein Geld an sich (das geben sie ja auch meistens sofort aus, wenn sie mal welches haben), sondern sie wollen Dinge, die man für ein menschenwürdiges Leben benötigt. Also: eine heizbare Wohnung, Kleider, Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, Zeit für Sich, die Familie und Freunde, die Möglichkeit zur Beschäftigung mit Kultur, Kunst, Reisen, Spielen und Sport, die Möglichkeit weiterzulernen und sich zu entfalten, und ja: auch zu arbeiten: sich einzusetzen für gemeinschaftliche Zwecke empfinden viele als elementare Bereicherung: nicht zufällig gibt es eine riesige Menge an ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern durch alle Berufssparten und Einkommensklassen in unserer Bevölkerung. Stellt sich sofort die Frage: aber irgendjemand muss doch auch die unangenehmen Dinge tun wie Dinge herstellen und instandhalten, Dinge von A nach B transportieren, Müll entsorgen etc. Das ist unbestritten und (fast) jede/r würde sofort gerne mithelfen, wenn die zuvor genannten Bedingungen für ein menschengemäßes Leben damit garantiert werden könnten.
•  Arbeit und Reichtum
•  Demonstrieren heisst Zustimmen
•  Schafft Arbeit, Arbeit, Arbeit!
Warum lassen sich die Menschen eine ständige Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen gefallen?
Die Antwort: wir lernen von klein auf, dass es »nur so« gehen kann, und »nur zu unserem(?) Besten ist«. Unsere Ausbilder in diesem Gedankengut sind:
1. Unser Schulsystem:
wir werden von klein auf dazu erzogen, unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem als das Bestmögliche in Vergangenheit und Zukunft zu preisen (systematisch einseitige »Wissens«- Vermittlung durch alle Schulklassen).
•  Erziehung im Kapitalismus
2. Die Medien: die in der Schulzeit antrainierte Anschauung wird täglich/stündlich/minütlich durch die Medien verstärkt: Fernsehen, Zeitungen und Radio heucheln mit dem Wort »wir« eine Einbezogenheit in die politischen Geschäfte der Regierenden auf gleicher Ebene vor, die so niemals stattfindet (nicht einmal beim Gang zur Wahlurne). Zwangsbeschallung und Zwangskino in den öffentlichen Verkehrsmitteln und Werbung wohin man blickt verhindern selbst in den paar Minuten des Alltags, in denen man seinen eigenen Gedanken überlassen sein könnte (auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen, im Wartezimmer des Arztes) genau dieses. Wir leben in einer Gesellschaft, die nicht nur keinen Raum für eigene Gedanken(findung) lässt, sondern sie im Gegenteil aktiv zu verhindern sucht. Das ans Ohr festgeklebte Handy tut ein Übriges dazu. Dies alles macht es den Menschen beim Erkennen der Bedingungen, in denen sie stecken, zusätzlich schwierig.  
3. Die Religion: nicht zuletzt leistet die Religion hervorragende staatstragende Dienste darin, die Menschen »bis ins Jenseits« zu Gehorsam gegenüber einem mächtigeren Wesen zu verpflichten. Wer persönliches Leid unhinterfragt akzeptiert, wird moralisch belohnt (siehe Sprüche wie »arm aber ehrlich«). Dies ist eine Haltung, die den Regierenden sehr zupass kommt. •  Vom christlichen Glauben
Wie können wir aus dieser Zwickmühle wieder heraus?
Wir könnten unsere Forderungen umformulieren in »Mehr Lebensqualität« oder »Zugang zu guten Lebensmitteln, Wohnungen etc.« anstelle von »Mehr Arbeit«. Wir könnten unsere Gedanken austauschen und diskutieren. Darüber nachdenken, was die einzelnen Teilchen des Räderwerks sind und wie sie funktionieren. Und dann gemeinsam daraus etwas Neues ableiten und umsetzen...
•  Viele andere sind schon dabei …